Publikumsgespräche 1
Auf dem Fünf-Seen-Festival in Seefeld gab es nach der Vorführung von „Fata Morgana“ am 08.07.’07 eine Diskussion mit dem Publikum, die sehr viel Spaß gemacht hat. Es gab viele interessante Fragen, die von großer Aufmerksamkeit und Interesse zeugten und von denen ich einige aus der Erinnerung heraus rekonstruieren möchte:
Warum haben Sie diesen Film als ersten langen Film gemacht?
Ich wollte einen Film über das Thema Beziehung zwischen Mann und Frau machen. Ich finde es spannend, dass solche Beziehungen oft nicht funktionieren, obwohl die meisten Menschen die Sehnsucht haben mit einem anderen Menschen zusammen zu sein. Die Sehnsucht ist also da, die Umsetzung allerdings oft kompliziert. Besonders schwierig wird es häufig, wenn das Paar in Stress und unter Druck gerät, was in „Fata Morgana“ durch die Wüste und den Fremden geschieht.
Das zweite Element, das mich interessiert: Was passiert, wenn Menschen in einem Raum isoliert sind, also nicht flüchten können und sich zwangsläufig mit der Situation und den Mitmenschen wie insbesondere mit dem eigenen Partner auseinandersetzen müssen. Die Wüste ist so ein Raum und die scheinbare Unendlichkeit des Raums bringt zwei Seiten mit sich, die Weite, d.h. Abenteuer, Sehnsucht und Phantasie auf der einen Seite und die Enge, gefangen sein, Angst und Ausweglosigkeit auf der anderen Seite.
Ich wollte von Anfang an meine Konzentration auf wenige Mittel beschränken: Drei Figuren, ein Jeep, ein Motorrad und die Wüste. Die Geschichte mit diesen wenigen Mitteln als Autor und Regisseur zu bestreiten war eine große Herausforderung. Je weniger Du hast, um Probleme zu vertuschen, desto schwieriger: keine Nebenfiguren, kein unnötiges Gelaber, keine Nebenschauplätze zum Ausweichen, nur diese drei Figuren und die Wüste.
In „Fata Morgana“ geht es sehr stark um Kommunikation und Wahrnehmung. Daniels und Lauras Wahrnehmung des Fremden driftet im Verlauf der Geschichte auseinander. Daniel begegnet dem Fremden mit Misstrauen, Laura findet durch ihre Weiblichkeit einen intuitiveren Zugang zum Fremden und spürt, dass der Fremde nicht unmittelbar gefährlich ist. Daniel und Laura reden nicht viel miteinander. Jeder versteift sich auf seine Position, die sich immer mehr verhärtet. Auch die Kommunikation mit dem Fremden ist schwierig. Daniels Fragen verraten schnell sein Misstrauen. Da der Fremde damit spielt, schürt er dieses Misstrauen sogar noch, wodurch ein offenes Gespräch immer unmöglicher wird. Ich finde es interessant, dass die Entwicklung zum Drama in erster Linie eben nicht an der äußeren Bedrohung, sondern an den Figuren und ihrem Handeln liegt.
So wie der Umgang mit dem Fremden sich letztlich fatal auswirkt, so ist auch das Abfahren von der Piste, womit das Unheil beginnt, nicht einfach Willkür, sondern angestachelt durch ihre Frage: „War das jetzt dein Abenteuer?“. Sie lässt eine gewisse Unzufriedenheit mit der Situation, aber auch mit ihrem Freund an sich erkennen.
[Fortsetzung: “Was für eine Figur ist der Fremde…“]
Notiert am 26.07.2007, Abgelegt unter Fata Morgana, Keine Kommentare

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