Simon Groß

– Fata Morgana –

Publikumsgespräche 3

Warum reagiert Laura nicht, als Daniel am Schluss den Fremden aus dem Auto zieht, ihn zurücklassen will und damit im Begriff ist einen Mord zu begehen?

Sie reagiert ja. Als Daniel den Fremden aus dem Auto zieht, schläft sie. Sie ist physisch und psychisch an dem absoluten Tiefpunkt – sie ist innerlich leer, total ausgebrannt. Als würde sie aus einem Koma erwachen, kommt sie langsam zu sich. Daniel steigt ein. Sie sieht nach hinten. Der Platz, wo der Fremde lag, ist leer und blutverschmiert. Mit schwacher Stimme fragt sie Daniel: „Was machst Du?“ Daniel versucht die Situation scheinheillig zu übergehen: „Wir sind gerettet. Dahinten sind Strommasten. Die führen zur Stadt!…Willst Du ins Gefängnis?“ Dann gibt es einen kurzen Blick von Laura, in dem ihr Entsetzen über seine Kaltblütigkeit zum Ausdruck kommt. Daniel übergeht das. Er fährt einfach los.

Jetzt hätte es zu einem großen Dialog kommen können. Laura stellt ihn zur Rede usw. Laura aber hat nicht mehr die Kraft für eine solche Auseinandersetzung. Die Dinge geschehen einfach nur noch um sie herum. Sie ist Nullpunkt und schluckt seine Kaltblütigkeit. Das ist vielleicht schwer zu ertragen und man will, dass sie sich zur Wehr setzt. Aber eine gewisse Klarheit in ihren Gedanken können die Figuren erst am Ende fassen, wenn sie nämlich zurück in der Zivilisation sind - da, wo sie herkommen und hingehören und sich im Hotelzimmer auf dem Balkon lange ansehen.

Das Ende. Warum reden Daniel und Laura nicht über das, was passiert ist?

Daniel und Laura kehren direkt im Anschluss an das Hotelzimmer in die Wüste zurück, um nach dem zurückgelassenen Fremden zu suchen. Das Gefühl von bürgerlicher Reue setzt ein, schlechtes Gewissen und Hoffnung – Hoffnung darauf, dass am Ende doch noch alles gut wird. Sehr wahrscheinlich hat es davor ein Gespräch zwischen den beiden gegeben, es fand allerdings im Off statt. Das Resultat des Gesprächs ist der Entschluss umzukehren und das ist entscheidend.

Wir wollten kein Gelaber am Ende, keine Erklärungen. Wir wollten nicht das Unfassbare fassbar machen, indem wir es in einen Dialog packen und damit klein machen. In diesem Film wird generell nicht viel gesprochen. Es geht ja um den Mangel an Kommunikation. Die Inhalte werden so viel stärker deutlich– das Bild ist stärker als das Wort und die Tonebene, insbesondere die Musik, ist emotional stärker als das Bild. Die Gefühle und Nuancen in diesem Film liegen in den vielen Blicken der Figuren, die von den Schauspielern präzise zum Ausdruck gebracht werden.

Notiert am 19.08.2007, Abgelegt unter Fata Morgana, Keine Kommentare

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